Hinter jedem vermittelten Hund von Akita in Not
steckt eine Geschichte
Der Bericht von Barbara Hermwille über das Einleben von Lara nach der Vermittlung wurde im der Clubzeitschrift des Akita Club e.V. MF 1/2025 veröffentlicht. Er diente als Beispiel eines vermittelten Nothundes anlässlich des 30-jährigen Jubiläums von Akita in Not.

Lara suchte ein neues Zuhause (2018)
Im Juni 2018 fand der Akita-Oldie Lara ein neues Zuhause.
im Januar 2025
Ende 2018 hatte ich für Akita in Not einen kleinen Bericht über die ersten 6 Monate mit unserer AA-Nothündin Lara verfasst, die wir mit fast 8 Jahren im Juni 2018 aus einem Nachlass übernommen hatten. Akita in Not hat uns diese wunderbare Hündin vermittelt.
Rückblickend war dieser Bericht erfrischend naiv, da ich damals dachte, nach 6 Monaten kenne ich mich mit meinem Akita-Mädchen halbwegs aus. Totaler Blödsinn.
Dazu muss ich sagen, dass Lara mein erster Hund war. Und ja, gleich ein Akita. Wieso und weshalb dieser Hund, ist eine andere Geschichte.

Ich habe einmal gelesen, dass es auch von Vorteil sein kann, wenn man keine Hundeerfahrung hat und sich einen Akita anschafft, da man dann nicht vergleicht und gegebenenfalls aus Frust auch nicht so bald aufgibt, sollte man an seine Grenzen stoßen. Nun ja, an wirkliche Grenzen gestoßen bin ich oder sind wir nie. Allerdings war sie auch schon aus dem Gröbsten raus und der Vorbesitzer hatte vorher bereits 2 Akitas. Von daher war sie ein reiner Glücksgriff, es gab keine Beißvorfälle – jedenfalls nicht mit Menschen – und sie hatte schon früh eine Hundeschule besucht.
Da es besprochen war, dass überwiegend ich mich um sie kümmere, haben Lara und ich auch ziemlich viel Zeit zusammen verbracht. Es sollte trotzdem etwa 2 Jahre dauern, bis sie mich endlich ernst nahm und meine Kommandos halbwegs sofort befolgt hat. Der Rückruf zum Beispiel: wie oft habe ich am Wiesenrand gestanden und mir die Seele aus dem Leib gerufen, bis sie endlich geruhte, zu mir zurückzukommen. Irgendwann hat es dann einfach geklappt. Wenn ich sie rief, spurtete sie bestens gelaunt auf mich zu. Manchmal hatte ich sogar den Eindruck, wie schaut zu mir und wartet, dass ich sie rufe. Schließlich wartete ja ein Leckerchen auf sie, wenn sie gehorchte.
Es gibt sicherlich einiges, dass ich heute anders machen würde, Rückruftraining mit Schleppleine zum Beispiel. Aber eins ist auch sicher: ich habe eine ganze Menge über mich gelernt. Geduld ist überhaupt nicht meine Stärke, aber bei diesem Hund habe ich ohne Schwierigkeiten eine Engelsgeduld an den Tag gelegt, von der ich nicht wusste, dass ich sie habe.
Lara hatte einige Baustellen, was sicher nicht zuletzt daran gelegen hat, dass sie fast ein Jahr allein im Haus des Vorbesitzers war (dieser war im Krankenhaus, eine Nachbarin hat sich gekümmert, so gut sie konnte), nach dem Tod des Vorbesitzers über Akita in Not in eine Hundepension einer ehemaligen Akita-Züchterin kam und dort ca. 2 Monate verbrachte, bis wir sie dann übernahmen. Sie war schon sehr verstört und von so etwas wie Vertrauen konnten wir erst nach langer, langer Zeit sprechen.
Anfangs war ihr Tempo für mich ein echtes Problem. Sie war so unfassbar langsam, wir wurden des Öfteren von älteren Damen mit Rollatoren überholt. Die fanden das toll. Ob das an der Geschwindigkeit des Vorbesitzers, einem älteren Herrn, lag oder an der Tatsache, dass sie fast ein Jahr lang nicht mehr richtig bewegt wurde, wissen wir nicht. Aber irgendwann hat sich auch das gelegt und sie hat sich an unser Tempo angepasst. Wenn sie über die Wiesen lief, war sie richtig schnell. Und wenn ein Maisfeld ins Spiel kam, ging es richtig los, Maisfelder fand sie großartig.
Wenn sie abgeleint war, hatte sie die Angewohnheit, in einer gewissen Distanz von mehreren Metern zu mir, aber immer mit Blickkontakt und parallel zu mir zu laufen. Im Maisfeld – wir wohnen sehr ländlich – ging sie meistens in die 2. oder 3. Reihe, dann war sie weg und rannte wie der Blitz die Reihe entlang. Beim ersten Mal habe ich mir echt Sorgen gemacht, sie war einfach verschwunden. Ich rief und rief und sie kam nicht wieder. Ich schaute mich um und dann sah ich in der Ferne auch noch diesen großen Hund auf dem Feldweg. Auch dass noch. Dann schaute ich noch mal genauer hin und konnte es nicht glauben, ich hatte Lara nicht erkannt, die schwanzwedelnd auf mich wartete, sicherlich 150 m von mir entfernt. Irgendwann haben wir dann gelernt, auf das Rascheln im Maisfeld zu achten, damit wir wissen, wo sie ist. Das hat sie uns schön beigebracht.

Abenteuerlich ist das Leben mit einem Akita mitunter auch. An einem Abend im Sommer 2019 waren wir ohne Hund in der Stadt unterwegs und kamen so gegen 22.30 Uhr zurück. Wie immer begrüßte sie uns an der Haustür, soweit alles gut. Bis ich auf mein Handy schaute und eine Nachricht von einem Nachbarn hatte: „Vielleicht solltet Ihr mal nach Hause kommen und nach Lara sehen“. Auf dem Festnetz-Anrufbeantworter war eine Nachricht von einer anderen Nachbarin, die direkt nebenan wohnte: „Ihr Hund ist auf dem Dach von Ihrem Carport“. Was zum Teufel war hier los??? Diese Nachbarin saß noch mit ihrem Mann im Garten, also baten wir um Aufklärung. Was wir hörten, war unglaublich: Lara sei vom Balkon auf das Dach vom Carport gelangt und wäre dort oben herumgelaufen. Da es schon dämmerte, hätte ihr Mann zunächst an einen Einbrecher gedacht. Das machte für uns überhaupt keinen Sinn, wie soll sie über die Brüstung des Balkons auf das Dach gekommen sein, so hoch sprang sie nicht, überhaupt ist sie für solche Aktivitäten viel zu faul. Bei einer Tatortbegehung haben wir dann festgestellt, dass 2 Holzlatten vom Balkon fehlten („ach ja“) und von dort waren es nur ein paar Zentimeter bis zum Dach des Carports. Ideen muss man haben…

Zwischenzeitlich sind wir umgezogen. Nicht, weil wir den Balkon nicht reparieren wollten, sondern weil wir Laras altes Zuhause kaufen konnten. Wer jetzt denkt, wie schön für den Hund, irrt zunächst. Als wir sie im Herbst 2018 zum ersten Mal dorthin mitgenommen haben, war zunächst alles gut. Es lag noch Spielzeug von ihr im Garten, sie hat dort wesentlich mehr Auslauf, da der Garten riesengroß ist. Aber nach kurzer Zeit – mein Lebensgefährte hatte sie jeden Tag mit auf die Baustelle genommen – wollte sie dort nicht mehr hin. Sie versteckte sich im Kofferraum oder hinter dem Auto und war nur mit Leine und Leckerchen in den Garten zu bewegen. Nach ca. 2 Wochen hatte sich dies aber gelegt. Wir können nur vermuten, dass sie Angst hatte, wieder dort allein zurückgelassen zu werden. In den 2 Wochen hatte sie gelernt, dass sie jeden Tag auch wieder mitgenommen wurde, ab diesem Zeitpunkt war dann alles in Ordnung.

Inzwischen ist Lara seit 6,5 Jahren bei uns, im November ist sie 14 Jahre alt geworden. Es geht ihr dem Alter entsprechend gut, aber rennen durch ein Maisfeld oder spielen auf der Wiese ist nicht mehr möglich. Aber das ist egal, das gehört für uns dazu. Wir haben uns damals für einen fast 8jährigen Hund entschieden mit allen damit verbundenen Konsequenzen.

Für uns ist klar, dass wir uns wieder für einen Akita und insbesondere für einen Not-Akita entscheiden. Natürlich sind Nothunde Wundertüten, aber die Fortschritte, die man sieht nach all die Arbeit und der Zeit, die man in diese Hunde investiert, sind Belohnung genug. Die Lara, die wir heute haben, hat in keiner Weise mehr mit dem misstrauischen und vorsichtigen Wesen zu tun, das wir vor 6,5 Jahren übernommen haben.
Werne, im Januar 2025
Barbara Hermwille
siehe auch
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letzte Änderung: 08. August 2026